Cannabis düngen: Der Nährstoffplan von Keimling bis Ernte

Kurze Antwort vorweg: Cannabis braucht in der Wachstumsphase einen stickstoffbetonten Dünger (etwa NPK 3-1-2) und in der Blüte einen phosphor- und kaliumbetonten (etwa 1-3-3). Der EC der Nährlösung steigt dabei von 0,4 bis 0,6 im Keimling auf 1,4 bis 1,8 in der Hauptblüte. Gedüngt wird nach der Pflanze, nicht nach der Flasche: lieber 30 Prozent unter der Herstellerangabe starten und nach oben tasten.
📋 Inhaltsverzeichnis
1. Die Grundregel: weniger, als auf der Flasche steht
Die Dosiertabelle auf dem Dünger ist für die stärkste Pflanze im günstigsten Klima gerechnet, und der Hersteller verkauft dir gern mehr als nötig. Bei Cannabis ist Überdüngung der häufigere Fehler als Unterversorgung. Ein hungriges Blatt wird hell und lässt sich mit der nächsten Gabe korrigieren. Ein verbranntes Blatt bleibt verbrannt.
Meine Empfehlung für den ersten Grow: Starte bei einem Viertel der Herstellerdosis, steigere pro Gießen um ein Viertel und bleib stehen, sobald die obersten Blätter ein sattes, nicht ein dunkles Grün zeigen. Dafür brauchst du ein EC-Messgerät (15 bis 30 €) und ein pH-Messgerät. Wie du den pH-Wert einstellst, steht im Artikel pH-Wert beim Cannabis-Anbau. Ohne passenden pH nützt auch der beste Plan nichts, weil die Wurzel die Nährstoffe nicht aufnehmen kann.
2. NPK: was die drei Zahlen bedeuten
Die drei Zahlen auf dem Etikett stehen für Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K). Stickstoff baut Blätter und Stängel auf, Phosphor treibt Wurzeln und Blütenansätze, Kalium steuert Wasserhaushalt und Blütendichte. Daraus folgt der Plan fast von selbst.
Wachstumsphase: Stickstoff vorn
Ein Verhältnis um 3-1-2 liefert der Pflanze, was sie in den ersten sechs Wochen braucht: Blattmasse. Dazu Calcium und Magnesium, vor allem bei weichem Wasser oder Kokos. Zu viel Stickstoff in der Blüte zeigt sich später durch grasig schmeckendes Material und lockere Blüten.
Blüte: Phosphor und Kalium
Ab dem Umschalten auf 12/12 (bei Autos ab den ersten Blütenansätzen) wechselst du auf etwa 1-3-3. Die Umstellung machst du über zwei Gießgänge, nicht über Nacht: erst halb Wachstums-, halb Blütedünger, dann nur noch Blütedünger. Das reduziert den Stress an einem Punkt, an dem die Pflanze ohnehin gerade streckt.
3. EC-Werte und Dosierung je Phase
| Phase | Zeitraum | EC (mS/cm) | Schwerpunkt |
|---|---|---|---|
| Keimling | Woche 1 bis 2 | 0,0 bis 0,6 | Kein Dünger bei vorgedüngter Erde |
| Frühe Wachstumsphase | Woche 3 bis 4 | 0,6 bis 1,0 | Stickstoff vorn, z. B. 3-1-2 |
| Späte Wachstumsphase | Woche 5 bis 6 | 1,0 bis 1,4 | Stickstoff vorn, Kalium steigt |
| Übergang in die Blüte | erste 2 Blütewochen | 1,2 bis 1,6 | Beide Dünger mischen, N sinkt |
| Hauptblüte | Blütewoche 3 bis 6 | 1,4 bis 1,8 | Phosphor und Kalium vorn, z. B. 1-3-3 |
| Spülphase | letzte 7 bis 10 Tage | 0,0 bis 0,3 | Nur pH-Wasser |
Die Werte gelten für den fertig angesetzten Nährstoff mit Leitungswasser. Hat dein Wasser schon einen EC von 0,4, ist das dein Startpunkt, dann dosierst du weniger Dünger. Bei Autoflowering-Sorten bleibst du in der unteren Hälfte jeder Spanne. Der gesamte Ablauf einer Auto vom Samen bis zur Ernte steht im Autoflowering-Einsteiger-Guide.
Ein Messwert, den fast jeder auslässt: der EC des Abflusswassers. Gieß so, dass 10 bis 20 Prozent unten herauslaufen, und miss das Wasser. Liegt es deutlich über der Nährlösung, sammelt sich Salz im Substrat, und die nächste Gabe sollte schwächer ausfallen.
4. Organisch oder mineralisch
Mineralische Flüssigdünger wirken sofort und lassen sich millimetergenau dosieren. Dafür reagieren Pflanzen auf Fehler auch sofort. Organische Dünger und lebendige Erde arbeiten langsamer, weil Mikroorganismen die Nährstoffe erst umsetzen müssen. Sie verzeihen mehr, brauchen aber zwei bis drei Wochen Vorlauf und gute Erde.
Für den ersten Grow rate ich zu einem mineralischen Zweikomponenten-Set (Wachstum und Blüte, gleiche Linie) auf vorgedüngter Erde, wie im Erde- und Substrat-Ratgeber beschrieben. Die Kombination ist einfach, und du lernst, wie deine Pflanzen reagieren. Mischen solltest du die beiden Welten nicht: Organischer Dünger plus mineralischer in derselben Gabe ist der kürzeste Weg zu einem EC, den du nicht mehr kontrollierst.
5. Gießroutine Schritt für Schritt
- Wasser abstehen lassen oder direkt verwenden, Temperatur um 20 °C.
- Dünger in der Reihenfolge ansetzen: zuerst Basisdünger, dann Zusätze, zuletzt pH einstellen. pH nie vor dem Dünger messen, weil sich der Wert durch den Dünger verschiebt.
- EC messen und mit der Tabelle oben vergleichen.
- Topf am Gewicht prüfen: Erst gießen, wenn er sich deutlich leichter anhebt als nach dem letzten Gießen.
- Langsam und gleichmäßig gießen, bis 10 bis 20 Prozent abfließen.
- Alle zwei bis drei Gießgänge nur mit pH-Wasser ohne Dünger gießen. Das hält den Salzgehalt im Substrat niedrig.
Diese Routine funktioniert unabhängig von der Boxgröße. Was du an Technik dafür brauchst, zeigt der Artikel zum Growbox-Setup für Einsteiger.
6. Überdüngung erkennen und korrigieren
Drei Zeichen, an denen du es früh siehst:
Verbrannte Blattspitzen
Die Spitzen werden gelbbraun und trocken, der Rest des Blattes bleibt grün. Das ist der früheste Hinweis. Ab hier gilt: nächste Düngung um ein Drittel kürzen, nicht die Pflanze spülen.
Dunkelgrüne, gekrallte Blätter
Blätter, die tiefgrün glänzen und sich wie Krallen nach unten biegen, zeigen zu viel Stickstoff. Oft kommt das aus der vorgedüngten Erde plus Wachstumsdünger obendrauf.
Schlaffe Pflanze trotz feuchter Erde
Bei sehr hohem EC im Wurzelraum nimmt die Pflanze kaum noch Wasser auf. Das sieht aus wie Wassermangel und führt dazu, dass man noch mehr gießt und düngt.
Korrektur: Reduziere die Konzentration um ein Drittel, gieße einmal reichlich mit ungedüngtem pH-Wasser (das Doppelte der Topfmenge) und beobachte die neuen Blätter. Sie zeigen nach drei bis fünf Tagen, ob es gewirkt hat. Geschädigte alte Blätter bleiben, das ist kein Misserfolg. Sehen die Blätter dagegen gelb, fleckig oder gebleicht aus, liegt oft ein Mangel oder ein pH-Problem vor, keine Überdüngung. Ein Blick in den Keimen-Guide hilft dir außerdem, die ersten Wochen sauber zu starten, bevor überhaupt gedüngt wird.
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7. Häufige Fragen
Wann fange ich bei Cannabis mit dem Düngen an?
In vorgedüngter Erde frühestens ab Woche drei bis vier, wenn die Erde ihre Reserven aufgebraucht hat. Erste Hinweise sind ein hellerer Grünton an den untersten Blättern. In reinem Kokos oder Hydro startest du früher, ab dem ersten Gießen, mit einem EC von etwa 0,4 bis 0,6. Fang mit einem Viertel der Herstellerangabe an und steigere dich pro Gießen.
Wie hoch soll der EC-Wert beim Düngen sein?
Im Keimling 0,4 bis 0,6 mS/cm, in der Wachstumsphase 0,8 bis 1,4 und in der Hauptblüte 1,4 bis 1,8. Autoflowering-Sorten vertragen eher die untere Hälfte dieser Spannen. Miss den EC der fertigen Nährlösung, nicht des Leitungswassers, und vergleiche ihn mit dem EC des Abflusswassers aus dem Topf.
Organisch oder mineralisch düngen: was ist für Einsteiger besser?
Mineralische Flüssigdünger sind für den ersten Grow leichter zu steuern, weil jede Gabe sofort wirkt und sich genau dosieren lässt. Organische Dünger sind fehlerverzeihender, brauchen aber lebendige Erde und zwei bis drei Wochen Vorlauf. Beides gleichzeitig zu mischen führt in der Praxis meist zu Überdüngung.
Woran erkenne ich Überdüngung?
Typisch sind verbrannte Blattspitzen, sehr dunkelgrüne und nach unten gekrümmte Blätter und ein Abflusswasser mit deutlich höherem EC als die Nährlösung. Reduziere die Konzentration um ein Drittel und gieße mit ungedüngtem pH-Wasser, bis neue Blätter wieder normal wachsen. Alte, geschädigte Blätter erholen sich nicht mehr.
Brauche ich bei Autoflowering anderen Dünger?
Du brauchst nicht andere Produkte, aber weniger davon. Autos haben nur 10 bis 12 Wochen und verbrauchen insgesamt weniger Nährstoffe. Rechne mit etwa 50 bis 70 Prozent der Herstellerdosis, und starte mit der Blütenahrung früher, meist ab Woche fünf bis sechs, sobald die ersten Blütenansätze sichtbar sind.
Muss ich vor der Ernte spülen?
Die letzten sieben bis zehn Tage nur mit pH-Wasser zu gießen ist üblich und schadet in Erde nicht. Der Effekt auf den Geschmack ist für Hydro und Kokos gut belegt, für Erde weniger klar. Wichtig ist, dass die Pflanze in dieser Zeit ihre Reserven verbraucht und die Blätter sich leicht verfärben dürfen. Das ist normal.
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Das MCE-Team vereint Praxis-Erfahrung aus dem Grow-Bereich mit fundiertem Wissen über Cannabis-Genetics und Anbaumethoden.
